Ein Ertrag von durchschnittlich 43 dt/ha Raps im Jahr 2026, und das mit einer Düngung, die sich an der N-Aufnahme des Bestands im Herbst orientiert. Ein Kundenbetrieb in der Oberlausitz nutzt unser Verfahren „Andüngung Raps nach Herbstscan“ seit 2017. Bei meinen aktuellen Fahrten durch Sachsen sehe ich auch in diesem Jahr vielerorts sehr gut entwickelte Bestände, die im Frühjahr einen ordentlichen Stickstoffvorrat mitbringen.
Beispiel Kundenbetrieb Oberlausitz
Im Jahr 2026 lag der Durchschnittsertrag Raps in diesen Betrieb bei rund 43 dt/ha, dazu unten die dazugehörige Düngebedarfsermittlung. Die Erträge wurden mit N-Mengen N1+N2 von 122 bis 163 kg N/ha bei einer N-Vorlage von anrechenbaren 10 kg N/ha aus der organischen Düngung im Herbst mit Biogasgülle erzielt.

Tabelle 1: Auszug aus der Düngebedarfsrechnung Kundenbetrieb Oberlausitz
Warum funktioniert das? Der Winterraps ist speziell an die Überwinterung auch mit dichten Beständen angepasst.

Abbildung 1: Ein typischer Rapsbestand am 20.10.2026 in der Oberlausitz
Herbst: Stickstoff sammeln
Im Herbst wächst der Raps kräftig und nimmt dabei viel Stickstoff aus dem Boden auf, bei gut entwickelten Beständen oft 50 bis weit über 100 kg N/ha. Der größte Teil davon steckt zunächst in den Blättern, vor allem als Eiweiß in den grünen Blattzellen, wo es für die Fotosynthese gebraucht wird.
Winter: aus den Blättern in den Keller
Im Winter sterben viele der älteren, großen Blätter ab, durch Frost, Kälte und weil sie alt werden. Die Pflanze lässt den Stickstoff darin aber nicht einfach verloren gehen. Bevor ein Blatt abstirbt, zerlegt sie das Eiweiß in kleine Bausteine, die Aminosäuren. Diese wandern über die Leitbahnen nach unten in die Pfahlwurzel und den Wurzelhals. Dort baut die Pflanze sie wieder zu Speichereiweiß zusammen und lagert sie ein. Der Wurzelhals ist dabei wie ein frostgeschützter Keller: Er sitzt dicht am bzw. im Boden und überlebt den Winter, auch wenn oben die Blätter erfrieren.
Ganz verlustfrei klappt das nicht. Ein Teil des Stickstoffs bleibt in den abgefallenen Blättern. Dieser Teil ist aber nicht ganz verloren. Die Blätter verrotten auf dem Boden, und der Stickstoff wird später zum Teil wieder pflanzenverfügbar.
Frühjahr: Vorrat anbrechen
Wenn im Frühjahr die Vegetation wieder beginnt, hat der Raps ein Problem. Er will schnell neue Blätter und Triebe bilden, aber der Boden ist noch kalt. Die Wurzeln nehmen dann wenig auf, und aus dem Humus wird noch kaum Stickstoff freigesetzt. Jetzt greift die Pflanze auf ihren Vorrat zurück. Das Speichereiweiß im Wurzelhals und in der Wurzel wird wieder abgebaut, und der Stickstoff wandert nach oben in die jungen Blätter und den Haupttrieb. So kommt der Raps zügig in Gang, bevor die Düngung und der Boden richtig liefern.
Warum das für die Praxis wichtig ist?
Ein gut entwickelter Raps mit kräftigem Wurzelhals (Faustzahl: etwa bleistiftdick, 8–10 mm) bringt einen eigenen Stickstoffvorrat mit ins Frühjahr. Er braucht weniger Dünger-N als ein schwacher Bestand. Schwache oder stark ausgewinterte Bestände haben dagegen kaum Reserven. Sie sind im Frühjahr stärker auf eine frühe Startgabe angewiesen.
Kurz gesagt: Der Raps räumt im Winter seine Blätter leer, lagert den Stickstoff im Wurzelhals ein und nutzt diesen Vorrat im Frühjahr.
Darauf beruht unsere teilflächenspezifische Bemessung der Frühjahrsdüngung über die Messung der N-Aufnahme im Spätherbst über Satellitendaten. Ein dichter Herbstbestand in der Teilfläche bedeutet dort weniger Bedarf, ein kleiner mehr.

Abbildung 2: Messung der N-Aufnahme im Winterraps, links punktuell manuell, rechts in jeder Teilfläche (10x10m²) abgeleitet aus Satellitenbildern
Wie arbeitet unser Verfahren „Winterraps düngen nach Messung N-Aufnahme im Herbst mit Satellit“?
- ohne irgendeinen Pflanzensensor, ohne Überfahrt
- benötigt wird ein elektronisch regelbarer Streuer
- Terminal muss Applikationskarten abarbeiten können, manchmal ist noch eine Freischaltung nötig
- uns müssen die entsprechenden Feldgrenzen übergeben werden, fast immer aus Antragsdaten
- wir erstellen die teilflächenspezifischen N-Aufnahmekarte Spätherbst, daraus wird eine Exceldatei zur Düngebedarfsermittlung abgeleitet und die fehlenden Daten vom Landwirt ergänzt (siehe Tabelle 1)
- auf Basis dieser Daten wird für den Kunden die Applikationskarte erstellt, Format je nach genutztem Terminal
- bei Problemen gibt es von uns Support bis hin zum Vororteinsatz

Abbildung 3: Applikationskarte Ware ASS aus der Praxis
Ökonomische Beispielrechnung
- Gesamtrapsfläche angenommen 120 ha.
- Kosten Dienstleister EXAgT 8 €/ha
- Gesamtaufwand Arbeitszeit (Export Feldgrenzen, ausfüllen der Excel, Applikationsdaten auf USB Stick kopieren, Rückfragen etc.) durch Agronom ca 2 h bei 75 €/h = 150 €
- N-Aufnahme des Bestands durchschnittlich 100 kg N/ha (Abbildung 1 hat schätzungsweise 120 kg/ha),
- 50 kg über „Norm“ → abzuziehen von der N1 70% von 50 kg = 35 kg N/ha
- Bei einem N-Preis von angenommen 1,20 €/kg sind dies 42 €/ha minus 8 €/ha für uns, also 34 €/ha
- Für 120 ha Raps sind das eingesparte 4.080 € minus 150 € Mehraufwand Agronom = 3.930 €.
Diese Einsparungen liegen auf der Kostenseite, sind also unabhängig vom erzielten Ertrag!
Fragen Sie uns, wir freuen uns auf Ihre Aufgaben! Unsere Spezialität sind betriebsspezifische Lösungen, wir schätzen Sie und Ihre Herausforderungen =;-).
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